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Pressemitteilung_Neubewertung des PSA-Tests:

Urologen plädieren für Baseline-PSA nach informierter Patienten-Entscheidung

Berlin. In der wechselvollen Geschichte des PSA-Tests hat die Neubewertung
der PLCO-Studie 2016 ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Nachdem die
Studie publiziert war, stellte sich inzwischen heraus, dass sich 90 Prozent der
angeblich Nicht-Getesteten entgegen
dem Studienprotokoll doch haben
testen und wenn erforderlich auch therapieren lassen. In der Studie wurden
demnach zwei Gruppen verglichen, die beide fast gleich häufig PSA getestet
wurden. „Es verwundert nicht, dass dabei kein relevanter Unterschied zwischen
den beiden Gruppen gefunden werden konnte. Diese Erkenntnisse haben in der
Zusammenschau mit der aktualisierten Auswertung der ERSPC-Studie international
eine Neubewertung des Stellenwertes des PSA-Tests eingeleitet“, sagt der
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Prof. Dr.
Maurice Stephan Michel. 

 

In der ERSPC-Studie wurde durch das Screening bei knapp 350 von
10.000 Männern ein Prostatakarzinom entdeckt. So konnte die
Prostatakrebsmortalität durch ein PSA-Screening in 13 Jahren um ca. 20 Prozent
gesenkt werden. Doch trotz seines damit verbesserten Rufs bleibt der
PSA-Test auch nach aktueller Einschätzung der DGU und des Berufsverbandes der
Deutschen Urologen e.V. (BDU) ein zweischneidiges Instrument, dessen Einsatz im
Spagat zwischen Nutzen und Folgen wohl abgewogen sein sollte - in einer
individuellen Entscheidung des durch einen Facharzt/eine Fachärztin für
Urologie gut informierten Patienten. 

 

„Für eine allgemeine Screening-Empfehlung ist die Zeit noch nicht
reif“, betont BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Dennoch haben Deutschlands
Urologen eine klare Empfehlung, wann der PSA-Wert mit einem Patienten, der den
Wunsch nach einer Früherkennungsuntersuchung hat, erörtert werden sollte. „Der
so genannte Baseline-PSA im Alter von 40 oder 45 Jahren gibt eine gute
Information über das individuelle Risiko, irgendwann später an einem
Prostatakarzinom zu erkranken. Je nach Höhe dieses Wertes, insbesondere wenn bei jüngeren Männern in der Familie ein Prostatakarzinom bereits vorkam, kann angemessen
reagiert werden“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Tilman Kälble. Von dieser Konstellation
hängen auch die Kontrollintervalle ab, die bis zu fünf Jahre betragen und
lebensrettend sein können. Neben dieser baseline PSA-Bestimmung erscheint eine
Testung zwischen dem 55. und 70. Lebensjahr das Risiko einer Übertherapie
eindämmen zu können.

 

Das sieht die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF)
inzwischen ähnlich. Sie hat ihr negatives Urteil aus dem Jahre 2012 aktuell
relativiert: Risiken und Nutzen seien demnach fast ausgeglichen; Männer
zwischen 55 und 69 Jahren sollten gemeinsam mit ihrem Arzt eine individuelle
Entscheidung über den PSA-Test treffen. 

 

Die Forderung nach dem PSA-Test als Kassenleistung leiten
Fachgesellschaft und Berufsverband daraus nicht ab: DGU, BDU und der
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) teilen die Einschätzung,
dass abgewartet werden sollte, bis die Datenlage so stark ist, dass
die Aussichten auf ein positives Votum des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)
hoch genug sind. „Bis dahin wollen wir weiter gemeinsam an der öffentlichen
Wahrnehmung und objektiven Einschätzung und Bedeutung des PSA-Wertes
arbeiten, aber auch alternative Früherkennungsuntersuchungen des
Prostatakarzinoms wissenschaftlich weiter untersuchen“, sagt
DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing.

 

Der PSA-Test wird zudem ein Schwerpunktthema des 69.
DGU-Kongresses in Dresden sein und u.a. am 22. September 2017, 10.30 bis 12.00
Uhr in der Messe Dresden, Saal 1, unter dem Titel „PSA-Screening auf dem
Prüfstand“, diskutiert werden.


Weitere
Informationen:

DGU/BDU-Pressestelle

Bettina-C. Wahlers

Sabine M. Glimm

Stremelkamp 17

21149 Hamburg

Tel.: 040 - 79 14 05 60 

Mobil: 0170 - 48 27 28 7

E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de

Internet: www.urologenportal.de

www.dgu-kongress.de